01
Juni
2024

„Verloren und Gefunden“

„Lieben heißt, Vertrauen zu haben. Vertrauen braucht es. Vertrauen in mich, in die anderen, in die Welt, in das Gemeinsame. Die Liebe hat mich immer sehr inspiriert. ¹

Im Jahr 2017 lief in Zürich das Projekt eines Fundbüros für Gefühle, Hoffnungen und Wünsche. Online sowie im Büro in der Stadt konnten die persönlichen Funde und das Verlorene gemeldet werden. Gesucht und gefunden wurde in den Bereichen: Liebe, Beziehung, Gemeinschaft / Selbstbewusstsein, Vertrauen, Wert /, Spiritualität, Glaube, Überzeugung / Zeit / Gesundheit / Glück.

Die zitierte Frau hatte angezeigt, die Fähigkeit sich selbst und andere zu lieben verloren zu haben. Die im Buch abgedruckten Fund- und Verlustanzeigen haben mich sehr berührt. Auch die Haltung so über Werte, meine Entwicklung und meine Sehnsüchte nachzudenken hat mir gefallen. Wenn ich etwas (aus meinem Blick) verloren habe, dann kann ich aktiv danach suchen. Wenn ich etwas finde, kann ich prüfen, ob es wirklich meins ist und es behalten oder als Fund abgeben. Manches Verloren-Gegangene sollte gar nicht wieder gefunden oder gar an einen anderen abgegeben werden. Manchmal war der Verlust, wie im Falle des unreflektierten Arbeitsübereifers, nämlich ein entlastendes Geschenk. Es geht also um die Einladung inne zu halten und sich selbst zu fragen: „Welche Gefühle, Gedanken, Überzeugungen, Hoffnungen und Ideen haben Sie verloren? Welche gefunden?“²Diese Fragen laden ein zu einer ungewöhnlichen, tiefgehenden Bilanz.

In manchen Bereichen habe ich beim Lesen meine eigenen Fund- und Verlustanzeigen gemacht. Manchmal brauchte ich die Anzeigen der anderen, um zu einem Bereich auf mich selbst bezogene Gedanken entwickeln zu können. Nicht jedes Verlieren bedeutet auch einen Verlust. Ich habe die Jugend verloren und Jahre gewonnen. Ich habe die Mutterrolle gewonnen und hin und wieder die Rolle als Frau aus dem Blick verloren. Ja, auch die Fähigkeit mich selbst und andere zu lieben habe ich immer mal verloren und wieder gefunden. Manches fiel mir einfach so wieder in die Hände, anderes musste ich aktiv suchen. Wieder anderes könnte auch ich nun verloren melden, ohne es zurückbekommen zu wollen. Sollte Ihnen ein unwiederbringlicher Verlust bewusst werden, können Sie Raum für Trauer und Abschied schaffen. Gefundenes können Sie feiern, wie einen Erfolg oder einen Lottogewinn. Jetzt laden wir Sie ein, Ihre Verlust und Fundanzeigen zu notieren. Vielleicht können wir Ihnen als Fundbüro, als Anzeigenannahme, dienen. Beschreiben Sie dazu: „Was haben Sie gefunden, was verloren? Und wann und wo ist es passiert?“ Ergänzen Sie um m/ w/ d und Ihr Alter: 10 – /20+ / 50+ / 70+…

– „Welche Gefunden- oder Verlust-Meldung zum Themenbereich „Gemeinschaft, Beziehung und Liebe“ würden Sie“ aufgeben?“

– „Welche Gefunden- oder Verlust-Meldung zum Themenbereich „Selbstbewusstsein, Vertrauen, Wert“ würden Sie“ aufgeben?“

– „Welche Gefunden- oder Verlust-Meldung zum Themenbereich „Spiritualität, Glaube, Überzeugung“ würden Sie“ aufgeben?“

– „Welche Gefunden- oder Verlust-Meldung zum Themenbereich „Zeit“ würden Sie“ aufgeben?“

– „Welche Gefunden- oder Verlust-Meldung zum Themenbereich „Gesundheit“ würden Sie“ aufgeben?“

– „Welche Gefunden- oder Verlust-Meldung zum Themenbereich „Glück“ würden Sie“ aufgeben?“³

Wir wünschen Ihnen vertrauensvollen (Prozess-) Genuss beim Gewahr-Werden, was Sie verloren haben und was Sie (wieder-) finden wollen

Katrin Firmthaler-Ködel und Diana Aust

¹ Quelle: Patrick Bolle, Andrea Keller „Guten Tag, haben Sie mein Glück gefunden? Im Fundbüro für Gefühle, Hoffnungen und Wünsche“, S. 15, Rowohlt Verlag GmbH, 2018, ISBN 978 3 499 63367 6

²Quelle: Patrick Bolle, Andrea Keller „Guten Tag, haben Sie mein Glück gefunden? Im Fundbüro für Gefühle, Hoffnungen und Wünsche“, S. 56, Rowohlt Verlag GmbH, 2018, ISBN 978 3 499 63367 6

³ Quelle: Patrick Bolle, Andrea Keller „Guten Tag, haben Sie mein Glück gefunden? Im Fundbüro für Gefühle, Hoffnungen und Wünsche“, S. 56, Rowohlt Verlag GmbH, 2018, ISBN 978 3 499 63367